Home
Heaven Shall Burn

Interview mit HEAVEN SHALL BURN in Karlsruhe

25.06.2012

Mit einem Fassungsvermögen von 600 Besuchern ist die „Substage“ in Karlsruhe eine eher kleine Venue für die Verhältnisse von HEAVEN SHALL BURN. Trotzdem entschieden sich die fünf Thüringer ganz bewusst für diesen Club mit der besonderen Atomsphäre, um ihren Fans näher zu sein. Diese dankten es ihnen, indem sie in Scharen auch aus den umliegenden Städten anreisten und am 14.06. für ein restlos ausverkauftes Haus sorgten. HEAVEN SHALL BURN fällt nicht nur durch tief gehende Lyrics auf, sondern hat auch den heutigen Metalcore wie kaum eine andere Band geprägt. Zudem wird die Band immer wieder mit der „straight edge“-Kultur in Verbindung gebracht, dem konsequenten Verzicht auf Alkohol, Tabak und sonstige Drogen.

Vor dem Auftritt traf ich Gitarrist und Songschreiber Maik Weichert zum Interview. Zu den Klängen der Vorbands EMMURE und DARKEST HOUR sprach er mit mir über die Poesie im Metal und die wahre Position der Band zu „straight egde“.  

Maik, du bist Gitarrist und schreibst auch die Lyrics für HEAVEN SHALL BURN.
Bei vielen Bands ist es ja so, dass die Sänger die Lyrics schreiben. Ist es für dich manchmal komisch, dass du deine Texte nicht selber singst?

 
Nee, das ist nicht komisch, weil unser Sänger einfach viel besser singt oder schreit als ich. Er verleiht dem einen viel besseren Ausdruck. Aber es ist ja in der Musik-Branche gar nicht mal so selten, da schreiben ja viele Leute Songs und andere Bands spielen die. Und da das bei uns von Anfang an so war, ist das eigentlich kein komisches Gefühl. Was ich bei den Lyrics fühle, das drücke ich mit der Gitarre aus. Wenn ich da Wut habe, wenn ich was über Kindersoldaten schreibe, zum Beispiel, dann lasse ich da meine Wut durch die Gitarre fließen, wie unser Sänger halt mit der Stimme.

Eure Album-Titel und Lyrics sind öfter mal durch Gedichte inspiriert. Ich meine z.B. euer Album „Deaf to our Prayers“. Magst du Poesie und wie passt das mit Metal zusammen?

Der Weg ist ja ein sehr kurzer, weil ein Songtext ja eigentlich auch ein Gedicht. Wie der Name Lyrics schon sagt. Es ist einfach eine künstlerische Form um einen Gedanken auszudrücken. Es ist halt poetischer als ein Aphorismus, als eine reine Weisheit. Ein Gedicht ist irgendwie näher am Herzen als am Gehirn und dadurch verbindet sich das mit der Musik besser als, wenn man einfach einen Text rezitieren würde. Es gibt ja auch in der Kunst geschrieene Gedichte.

Du und die anderen HEAVEN SHALL BURN-Jungs lebt alle vegan?

Mittlerweile, muss man ehrlich sagen, sind wir nicht mehr alle vegan. Wir sind alle Vegetarier. Wir haben jetzt auch mal Gastmusiker dabei und dann sind wir alle Vegetarier. Ich selber bin noch Veganer und die meisten Bandmitglieder auch, aber offiziell sagen wir jetzt, dass wir eine streng vegetarische Band sind. Den Titel „rein vegan“ können wir uns also nicht mehr ankleben.

Aber bis auf Alex seid ihr alle „straight edge“?

Nee, „straight egde“ waren wir noch nie. Also wir haben das nie zur Band-Philosophie gemacht. Wir haben nie Texte über „straight edge“ gehabt, obwohl ein Großteil der Band immer „straight edge“ war. Veganismus, Vegetarismus, Umweltschutz und Tierschutz sind Aspekte, die für uns immer eine große Rolle gespielt haben. „Straight edge“ ist eine persönliche Sache, aber das haben wir nie zur Band-Philosophie erhoben.

Also habt ihr euch alle unabhängig von einander dafür entschieden?

Ja, kann man so sagen. Dadurch, dass wir in der gleichen Szene unterwegs waren, haben wir natürlich dadurch zueinander gefunden, also war es nicht direkt unabhängig. Aber es war kein Aufnahmekriterium bei unserer Band, dass man „straight edge“ sein muss.
Wir waren nie eine reine „straight edge“-Band. Seit der Gründung war immer mindestens ein „Party-Animal“ dabei.
 
Von allen Songs, die ihr bisher gemacht habt, was ist dein Lieblings-Song und warum?

Da gibt es verschiedene Aspekte: Es gibt einen Lieblings-Song musikalisch gesehen, es gibt einen Lieblings-Song textlich gesehen und es gibt einen Lieblings-Song „over all“. Da würde ich sagen „Endzeit“. Denn das ist ein Song, den hatte ich schon jahrelang mit mir rumgeschleppt, aber der war nie so richtig reif, dass man ihn so machen konnte, wie ich es mir vorgestellt habe. Und auf einmal hat es dann innerhalb von ein paar Stunden so „gesnakkelt“, dass ein Riff zum anderen gekommen ist und auch der Anfang und der Text kamen einfach. Das ist auch bis jetzt unser größter Hit. Und daher ist das natürlich ein ganz besonderer Song.

Ab Morgen beginnt für euch die Festival-Saison. Neben vielen deutschen Festivals geht´s für euch auch nach Italien, Bulgarien & in die Türkei. Gibt es ein bestimmtes Festival, auf das ihr euch besonders freut?
 
Dieses Jahr ist unser Highlight das „With Full Force“ in Roitzschjora bei Leipzig, weil das einfach das Festival ist, bei dem wir selber mit 13, 14 Jahren vor der Bühne rumgestiefelt sind. Das ist quasi unser „Haus-Festival“, wo wir immer hingegangen sind. Und es war so ein ferner, unerreichter Traum, dass wir wir da mal spielen. Und jetzt sind wir das schon zum vierten Mal am Start und dieses Jahr sind wir erstmals einer der Headliner. Das ist natürlich ein Traum, der da wahr wird. Deshalb ist das „With Full Force“ für uns etwas ganzes Besonderes dieses Jahr.

Gibt es außer dieser „straight edge“-Sache noch irgendetwas, was die Leute unbedingt über HEAVEN SHALL BURN wissen sollten?

Es gibt ganz viele Sachen, die sie besser nicht wissen sollten (scherzt Maik).
Das kann ich gar nicht so richtig beurteilen, man wird sich erst darüber bewusst, was da für Missverständnisse existieren, wenn man die Fragen gestellt bekommt. Wir sind natürlich immer als „straight edge“-Band wahrgenommen worden, weil auch mal jemand mit einem „straight edge“-Shirt auf die Bühne geht und wir auch keinen Alkohol promoten. Die Leute, die bei uns was trinken, die trinken keinen Alkohol auf der Bühne. Wir würden auch nie bei einer Campagne für alkoholische Getränke mitmachen, weil wir es Scheiße finden, eine Droge dermaßen offensiv zu supporten, auch Jugendlichen gegenüber. Aber ob man etwas trinkt oder nicht, ist eine ganz persönliche Sache. Es gibt viele Arschlöcher, die „straight edge“ sind und viele coole Leute, die Alkohol trinken, und umgekehrt. Dass Leute sich einbilden, sie seien etwas besseres, nur weil sie „straight egde“ sind, kann ich selbst als „straight edger“ nicht nachvollziehen.

Und seit wann bist du „straight edge“?

Ich denke, ungefähr seit ich 16 bin. Also schon ganz schön lange.

Warum hast du dich damals dafür entscheiden?

Es war halt die jugendliche Motivation anders zu sein, eine Scene-Zugehörigkeit, und dann eben auch, weil ich damals schon mitbekommen habe, dass ältere Kumpels von mir massive Alkoholprobleme haben. Da wo ich aufgewachsen bin im Osten, das war auch kein Villen-Viertel, sag ich mal, und da spielt  Alkohol auch eine große negative Rolle in Familien. Das bekommt man dann natürlich auch mit und damit wollte ich einfach nichts zu tun haben.

Bilder vom Konzert bekommt ihr in unserer Konzertfotorubrik

 

©2012 Kati Rausch

// Konzertfotos von Heaven Shall Burn